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Knackt endlich die Haselnuß!

Verfolgt man die z.T. etwas hysterischen Reaktionen auf Twitter zum Schmusekurs der Thüringer CDU mit den Schmuddelkindern der AfD (die in Thüringen besonders schmuddelig sind), fällt oft der Gedanke von "Wehret den Anfängen!". Ein Kommentar zur braunen Welle, die nun auch Deutschland erreicht hat.

Die Angst vor'm braunen Wolf hat verhindert, daß die Brandenburger, Sachsen und, jüngst, die Thüringer, eine Regierung bekommen, die sie sich verdient und (v)erwählt haben (oder die Brandenburger ein Rost-Modell: rot-braun, auch hier lohnt sich ein Blick nach Österreich: Sündenfall #1, Sündenfall #2).

Entwarnung #1 Das Jahr ist nicht 1919 und die Nazis sind (fast) alle tot.


"Wehret den Anfängen" hört man gerne zusammen mit "Weimarer Lektion". Blödsinn. Möge aus den AfD-Politikern sprudeln was wolle, seien ihre Viten z.T. gebräunt wie nach einem Solariumsbesuch, die echten Nazis (zur Erinnerung: mechanistisch-organisierter Genozid an mind. 7 Mio. Juden, Verfolgung von Kommunisten, Sozialisten, überzeugte Mitglieder beider christlicher Kirchen, und anderen Regimegegnern, kriegsverbrecherischer Vernichtungskrieg nicht nur durch die Waffen-SS) sind mittlerweile (fast) alle tot. Mit Ihnen begraben eine Welt die von Nationalismus, Chauvinismus, Kolonialismus, ausbeuterischem Kapitalismus und Rassismus geprägt und nicht nur besprenkelt war. Gerade Deutschland 2019 ist nicht Deutschland 1919 (es ist auch dtl. moderner, offener und liberaler als Deutschland 1989). Der letzte Krieg liegt fast 75 Jahre zurück und auch wenn wir ihn (Gott sei Dank!) verloren haben, haben wir sehr viel durch ihn gewonnen. Einen relativ (siehe unten) sauberen Neuanfang, mit freundlicher finanzieller Unterstützung des Feindes (Marshallplan). Und auch wenn wir wirtschaftlich immer stärker die neoliberale Doktrin umsetzen (neue Horrormeldung: die Wirtschaftsweisen prognostizieren ein Wachstum von nur 0.9%; unsere Bevölkerung schrumpft, warum muß unsere Wirtschaft weiter wachsen?), in Deutschland stirbt niemand, weil er (sie/es) sich keine Krankenversicherung leisten kann (in den USA schon, indirekt). Trotz Minijobs und immer mehr Minilöhnen, es verhungert keiner oder schafft sich (im Wortsinne) zu Tode.

Außerdem: Nazis, also NSDAP-Mitglieder, waren wohl nicht generell rechtsradikal, denn nicht wenige wandelten sich zu wohlgelittenen Parteisoldaten für die freiheitliche, demokratische Grundordnung. Die Frage bleibt allerdings, was ist gefährlicher für die Demokratie, ein faschistoider Gröler, oder ein prinzipienloser Opportunist?

CDU und FDP sind echte Volksparteien: 1949 Nazis assimiliert, 1989 Blockkommunisten. Datenquelle: Wikipedia – Liste ehemaliger NSDAP Mitglieder, die nach Mai 1945 politisch aktiv waren (PS die NPD, inkludiert unter 'rechtsextreme Parteien', hat noch echte Nazis abbekommen, in die AfD hat es keiner mehr geschafft, aber SED-ler).

Wer also sagt mit der AfD kommen "Nazis" in Parlamente und an die Regierung malt einen Teufel an die Wand, der nicht mal ein Teufelchen ist. Im Gegensatz zur NSDAP fehlt es der AfD (oder ihren geistigen Vorgängern DRP, NPD, Republikaner...) offensichtlich an umsturzwilligem Fußvolk, Organisation und Effizienz (und ich bin sicher, auch an Überzeugung). Zur Erinnerung, die NSDAP fing nicht so klein an (Reichstagswahl 1924: 6,6%), gewann 1932 (letzte freie Reichtagswahl im November) 33.1% der Stimmen und erledigte dann innerhalb von nicht mal einem Jahr die Demokratie und trieb den Deutschen jeglichen Humanismus aus. Trotz 20+% im (menschenarmen) Osten bin ich optimistisch, daß es der AfD nicht zur Machtübernahme 2022 reicht. Tatsächlich verharmlost jeder AfD-Nazi Vergleich das bei Weitem dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Neonazis, ja, wählen AfD. Salonfaschisten, paßt auch. Aber Nazis sind sie nicht und werden es nie sein.

Evolution deutscher (Parlaments-)Parteien seid 1945. Die unverbesserlichen Nazis (also die, die nicht der CDU/CSU, FDP, GB/BHE beigetreten sind) sammelten sich in WAV, DB, DAP, DKP, SRP und NDP. Letztere war der Vorgänger der DRP aus der letzlich die NPD hervorgegangen ist. Die AfD steht weder direkt noch programmatisch in derselben Tradition. Sie bedient "nur" dieselben niederen Instinkte (wie Teile der politischen Rechten, in blau, aber auch der "Zentristen", den Liberalen, gelb, Beispiel: Möllemann)


Entwarnung #2:  Es sind nicht die ersten und es werden auch nicht die letzten sein


Machen wir uns nichts vor: Neonazis gibt es in Deutschland schon länger, und Rechtsextreme sind nie ausgestorben. Wenn, wie viele andere, der auch gern etwas grölige Dr. Stegner der SPD (Wikipedia/SPD Homepage) sich echauffiert auf Twitter mit Blick auf die AfD und neu-"bürgerlichen" 2-Parteien-Koalitionen: „Keine Rechtsradikalen in der Regierung“ (lustig auch: im Mittelalter waren die Bürger die Progressiven, heute sind die Bürgerlichen die Ewiggestrigen), Tatsache ist, mit der AfD werden nicht die ersten (und vermutlich auch nicht die letzten) Neo- oder Alt-Faschisten in unsere Parlamente gespült. Und die AfD ist, ganz offiziell, nicht rechtsextrem, gerade mal ihr (einziger?) "Flügel" ist unter Beobachtung seid Anfang diesen Jahres. Unser Verfassungsschutz, der uns vor Extremismus und Angriffen auf die freiheitliche Grundordnung aller Art warnt, selbst nicht arm an Gründer-Nazis (dazu der Verfassungsschutz selbst), fand auch noch 2018: Es gibt keinen Grund die AfD (oder Teile davon) zu überwachen (ganz im Gegensatz zur urgefährlichen "Kommunistischen Platform" in der Linken). Glücklicherweise gibt es genug andere Rechtsextreme für die Statistik.

Es gibt mehr Links- als Rechtsextreme, aber letztere sind deutlich "effizienter" in Sachen Kriminalität. Quelle: SZ v. 28.9.2019 (sind natürlich Abonnenten, in Frankreich gibt es keine Tageszeitung die es mit der SZ aufnehmen kann; auch wenn sie deutlich neoliberaler geworden ist durch die Übernahme, Bsp. Kommentare von Nico Fried). Interessant auch: 24100 Aktiven stehen 5.3 Mio AfD-Wähler gegenüber (Stand 2017).

Und betrachtet man das alles etwas über den Frauen-armen deutschen Osten hinaus, so relativiert sich die ganz-und-gar unmögliche Regierungsbeteiligung der AfD doch sehr schnell. Die EU ist bereits voll von Regierungen unter Beteiligung oder geführt von Parteien mit ähnlicher Ausprägung wie die AfD, wir haben die PiS in Polen (rechtspopulistisch, ultrareaktionär, dazu eine Analyse der bpb zur vorletzten Wahl, man beachte die Parallelen), FIDESZ in Ungarn (eher klassisch faschistisch und offen antisemitisch; immer noch, wenn auch suspendiertes, Mitglied der "christdemokratischen" Europafamilie), hatten die Lega in Italien (ganz die AfD), schwarzblau in Österreich schon zum dritten Mal (nun stehen die Zeichen auf Türkisgrün), und in der USA regiert immer noch die Grand Old Party, die sich von ihren Rechtsauslegern (das kann sich die AfD noch was abgucken) wie eine Bisonherde in die Schlucht treiben läßt und einen Präsidenten an der Macht hält, der nicht nur lügt wie gedruckt, die Verfassung mit Füßen tritt ("er traut sich halt was"), sondern politisch voll in einer Linie mit der AfD liegt.
Einordung der im Bundestag vertretenden Parteien durch den Political Compass anläßlich der Bundestagswahl 2017. Zum Vergleich die Kandidaten der frz. (2. Runde) und der amerikanischen Präsidentschaftswahl.

Inklusive "there were good people on both sides". Ein altbekannter Satz auch der deutschen "Konservativen": Nicht alle Nazis waren böse. Und auch nur die Unrechtsstaat-Kommunisten, die Mitglied der SED waren, nicht die der Ost-CDU, LDPD und NDPD (siehe Kuchendiagramm oben). Nur weil man ein NSDAP-Konzentrationslager überlebt, ist man kein guter Mensch. Wenn man aber im Namen des Führers Leute zum Tod verurteilt hat (Stichwort: Filbinger-Affäre), schon, und kann Ministerpräsident werden. Eine kleine Anekdote: Uns gegenüber wohnte eine sehr nette, mitfühlende alte Frau mit einer kümmerlichen Rente, weil sie als NSDAP-Mitglied nach 1945 aus dem Schuldienst entfernt wurde. Ihr war die Tatsache, daß sie in die NSDAP eingetreten ist (man hatte die Wahl: entweder Mitglied oder keine Anstellung), ihr Leben lang peinlich und sie hat nie ein böses Wort verloren über Ausländer, Immigranten oder Asylanten. Lehrer waren entbehrlich und konnten ausgesäubert werden; Verwaltungsbeamte, Richter, Akademiker etc. des menschenverachtenden NSDAP-Unrechtsstaats bekamen ein CDU Parteibuch. So auch der Chef meiner Oma, ein Veterinärmediziner, Chef des veterinärmedizinischen Landesamtes, im Krieg Lazarettchef, und "Vollblutnazi" (so mein Vater, der den Begriff nicht so locker gebrauchte wie heute üblich). Meine Oma war überzeugt, daß — der Prof. Dr. Chef hat es gesagt und als Hühnerveterinär mußte er das ja auch wissen — "Neger anders riechen", "generell intellektuell schwächeln" aber "körperlich robust" sind.

Lehrer-raus-andere-bleiben war auch das Motto 1990 bei der Abwicklung des anderen Unrechtsstaats auf deutschen Boden. Schaut man sich die derzeitigen Wahlergbenisse der AfD im Osten an, vielleicht hätte man mehr SED-Mitglieder im Schuldienst belassen sollen. Die waren im besten Fall komplett unpolitisch, wie unsere Nachbarin, und im schlimmsten, antifaschistische Antikapitalisten. Nicht auszudenken was sie den Kindern für Ideen in den Kopf hätten setzen können.

Das unsäglich Böse, die wirkliche Gefahr (bis heute): Karl Marx und seine kruden Ideen. Wie z.B.: Arme reicher, und Reiche ärmer zu machen.

Glücklicherweise haben die DDR-Bürger dann 1990 auch die richtige Entscheidung getroffen, gegen ihre Demokratiebewegung, gegen die SED-Nachfolger und für den großen Staatsmann, unsere ebenso beleibte wie beliebte Bundesbirne (offizielle Altkanzlerseite/seine Seite – "christliches Menschenbild als Kompass"), Herr über all den schönen Bimbes. Der dann ihre kleine Republik verramscht hat (sehr sehenswert: Folge der Anstalt zu 30 Jahren Mauerfall; verfügbar bis 4.11.2020) und dessen Partei, ganz pro-semitisch, auch mal in der Schweiz Juden sterben ließ (rein virtuell!) um das Schwarzgeld zurückzutransferieren und wohl auch mit der Idee geliebäugelt hat, die Türken wieder nach Hause zu schicken (Deutschlandfunk/Tagesspiegel). Soviel zum Thema "christliches Menschenbild", gemeint ist wohl "mittelalterlich-christliches Menschenbild".


Ultranationalistisch, erzkonservativ und fakten-feindlich ist einfach en vogue.


Unterscheiden tun sich die Rechtspopulisten bis -extreme nur durch ihre Affinität zum nakten Kapitalismus. Während FIDESZ, das Rassemblement National und die PiS (und bis zu einem gewissen Grad die FPÖ) dem faschistischen Ideal folgen (siehe Grafik oben), sind Falanges, tschuldigung, Faranges Brexit Party (löst sich schon wieder auf), Trumpisten, Lega und die AfD nur autoritäre, nationalistische und fremdenfeindliche Varianten des Neoliberalismus. Letzterer in Deutschland in Reinkultur vertreten durch die FDP, so ziemlich die einzige ultra-rechte Partei, die in der EU an Regierungen beteiligt ist (abgesehen von einigen britischen Tories). Extrem für demokratischen Wohlfahrtsstaaten, aber wirtschaftpolitisch auf einer Linie mit Clinton oder Obama 2012. Eine Ironie der Geschichte, begründet wurde der Neoliberalismus von Friedman (Wikipedia; die dt. Seite ist ein wenig mau, für mehr Info und Links sollte man die Englische anschauen) und seinen Freunden (Mont Pelerin Society; Wikipedia/Lobbypedia) als Antwort auf und Lehre aus dem Faschismus.

Aber das Licht leuchtet halt zu hell für die gewinnorientierten Motten.

Geschichte wiederholt sich gerne. Auch wenn die Umstände komplett andere sind


 Entwarnung #3: Die anderen tun es doch auch (schon länger)


Das Beispiel Österreich (bayerisch-sprachiger Kleinstaat noch weiter im Osten als der Freistaat Sachsen) hat schon zum zweiten Mal erfolgreich gezeigt: weder die Demokratie oder die freiheitliche Grundordnung, noch geht die Welt unter, wenn sich die etablierte Rechte mit Rechtspopulisten und -wandanlehnern zusammentut. Natürlich ist es fürchterlich wenn jüdische Schulen in Deutschland (wieder) von der Polizei bewacht werden müssen (Seite 3 der SZ v. 8.11.2019), aber immerhin schützt in Deutschland der Staat Schulen vor Gefährdern (obwohl jeder 4. anti-semitische Tendenzen zeigt laut einer Studie des jüdischen Weltkongress). Rechtspopulisten werden gewählt weil sie die vorhandenen Animositäten artikulieren, die früher (leiser) ausschließlich von konservativen Parteien bedient wurden, sie erzeugen sie nicht. Als der NSU mordend durch die Republik zog, gab es keine AfD.

Es steigt schon länger an: Rechtsextremistische Straftaten in Deutschland (Datenquelle: bpb)

Jede offene Gesellschaft muß sich diese Offenheit erarbeiten und erhalten. Das ist Aufgabe der Bürger, genauso wie es ihr Recht ist, ihr Kreuz nicht bei einer menschenverachtenden Partei zu machen.

Außerhalb Deutschlands (und Österreichs) ist der fließende Übergang zwischen rechts (neoliberal) und ultrarechts (neoliberal-autoritär, autoritär) nicht neu. Falangisten (spanische Faschisten, Anhänger Francos) waren Mitbegründer der 'Mitte-rechts' EVP-CDU-Schwesterpartei Partido Popular (und damit Großväter von Vox. Vox, deren Politiker, vorwiegend ehem. PP-ler, denen der AfD (oder ihrem "Flügel", mittlerweile ID) in nichts nachstehen, ist übrigens Mitglied der EKR wie die englischen Konservativen und die PiS und toleriert schon in Andalusien eine "bürgerliche" Regierung aus PP und den Ciudanos, der spanischen FDP. Die nun wieder in Griechenland regierende Nea Dimokratia hat nicht unähnliche Wurzeln. Selbst im nahezu paradisischen Skandinavien haben sich die Bürgerlichen wiederholt von Rechtspopulisten tolerieren lassen: In Norwegen ist es die Fortschrittspartei, in Schweden die ursprünglich faschistischen Schwedendemokraten (siehe dazu auch diesen Post), in Finnland die Wahren Finnen und in Dänemark die Dänische Volkspartei. Wenn jemand mit der Extremrechten gut kann, sind es die Konservativen (die sich z.T. immer noch "Christdemokraten" nennen, aber kaum welche sind: ein Christ fühlt mit, kann also per se nicht neoliberal sein). Nur keine falsche Scham in Deutschland, v.a. nicht hinter dem abgebauten anti-faschistischen Schutzwall! Auch so eine Ironie der Geschichte, der Begriff war zwar Propaganda, aber hat die Ostdeutschen wirklich geschützt vor den (Neo-)Faschisten.

Quelle: Rechtsextremismus und -populismus in Europa Dossier der bpb.

Unterm Strich, programmatisch, hat die „Partei der Mitte“ CDU (Eigendarstellung) im Osten der Republik viel mehr gemeinsam mit den Schmuddelkindern der AfD, als mit ihren so willig einspringenden sozialliberalen Feigenblättern, der SPD und den Grünen. Wer zentrale Unterbringung von Asylbewerbern (CDU Sachsen/CDU Thüringen) und schnellere Abschiebungen (SPD Brandenburg) fordert, hat die AfD im Wesentlichen schon umarmt. Und der Wähler findet es offensichtlich toll. Die Parteien, die klar gegen die AfD Position beziehen, Grüne, Linke und die SPD (außerhalb Niedersachsens und Brandenburgs) stellen in kaum einem Bundesland mehr die parlamentarische Mehrheit.

Die, im Kern, schwarzbraune Republik, am Beispiel des baldigen Bundesrats. Links: Landesparlamente mit Mehrheiten gegen Fremdenfeindlichkeit, Sozialabbau und für (den real-existierenden) Pluralismus und die (ebenso real-existierende) offene Gesellschaft. Es scheint vielen nicht bewußt zu sein, aber es gibt Länder, in denen werden jüdische Schulen nicht beschützt vor möglichen anti-semitischen Anschlägen und LGBTQ werden aktiv verfolgt und kriminalisiert. Die Polizei dort ist korrupt und/oder rassistisch (das gilt auch für Teile der ultraneoliberalen USA, "Land of the Free", dem "Land der Freien"), der Staat und das Recht existieren dort nur auf dem Papier oder für die, die es kaufen können. In Deutschland gibt es immer noch Sozialgerichte und -anwälte, darunter nicht wenig die einen sehr guten Job machen. Rechts die Parlamente, in denen Parteien die Mehrheit stellen, die für das Gegenteil stehen und, wie man u.a. an den Wahl-O-Mat Antworten gut sehen kann, mit der AfD viel mehr Gemeines als Trennendes haben. Zahlen geben die Abgeordnetenverhältnisse wieder.

Warum verweigert man dem Wähler was er (es sind mehr Männer als Frauen, die rechts wählen) sich so sehnlichst wünscht? Nämlich: Mehr Trumpeleien, weniger alles andere.

Man kann politisch verschiedener Meinung sein: Demokratie bedeutet, wer die Mehrheit hat, entscheidet. Im Osten, aber auch im Bund und den meisten Westländern gibt es eine klare rechte Mehrheit (siehe Bundesratbild oben). Einer der Gründe für den unaufhörlichen Rechtsextremkurs der (immer schon hart im rechten Wind segelnden) AfD ist, daß gerade die CDU/CSU (jenseits Muttis Wirkungskreis) viele der anti-liberalen und anti-linken Thesen aufgreift aus Angst ihre rechtskonservative Kundschaft zu verlieren. Beispiel Bayern:

2013 trat noch keine AfD an und die CSU war recht weit weg von NPD und Republikanern (die man übrigens für weniger schlimm hielt als die AfD, warum auch immer). 2017 stach die CSU in punkto rechtsblinken sogar die Franken und die Bayernpartei aus und war weitgehend einer Meinung mit der AfD. Man darf gespannt sein wo die gesöderte CSU 2022 landet.


Entwarnung #4: Wenn die Nuß knackt verlieren nur die, die derzeit auf der Gewinnerseite stehen


Ich finde, es wird Zeit der Wähler spürt, was seine Wahl bedeutet, statt ständig seine Wahlentscheidung in Form der GroKo, Schwarzgrün, "Jamaika" oder nun "Kenia" (Afghanistan trifft es besser) im Osten versüßt zu bekommen. Man kann über das Trumpel denken was man will, Tatsache ist, nur durch Trump haben die Demokraten die strukturelle Mehrheit der (häufig AfD-egalen) Republikaner im Kongress brechen können und sich teil-erneuert. Ohne Trump wären auch diese Wähler wieder zu Hause geblieben. Übrigens: die Wahlbeteiligung im Osten auf sagenhafte 65% angestiegen

Wie bei einer echten Haselnuß gilt: erst wenn man sie knackt merkt man, daß sie hohl ist. Nur wenn die AfD in der dann "bürgerlichen" Regierung sitzt kann der recht(s)schaffende Wähler merken, daß da auch nur ein braunes (Ibiza-)Schaf im schwarzbraunen Wolfpelz steckt und wendet sich vielleicht wieder Parteien mit Programm und Visionen statt Anti-Polemik (AfD) und Weiter-so-Parolen (Wahlkampf sowohl der Sachsen CDU und Brandenburg SPD) zu. Solange die AfD Opposition spielen darf, wird sie gewählt. Sobald sie an den Trögen der Macht sitzt, wird sie sich entblö(d/)ßen. Die dänischen Rechtspopulisten sind sich der Gefahr sehr wohl bewußt und deswegen nie in eine "mitte-rechts" Koalition eingetreten. Wilders, der Prototyp aller Rechtspopulisten Europas, auch nicht (und spielt auch fast keine Rolle mehr). Man toleriert lieber die Parteien der Mitte, solange sie nach der rechten Pfeife tanzen.

Zum Wehren-den-Anfängen (der AfD) kommen wir schon zu spät. Wie Brexit oder das Trumpel ist auch die AfD nicht die Ursache sondern das Symptom. Patient Zero ist die Gesellschaft vom Monte Pèlerin, die Krankheit sind die aus ihr hervorgegangenen neoliberalen Netzwerke und Thinktanks (die sehr informative Folge der Anstalt ist leider nicht mehr verfügbar), die dafür sorgen, daß sich die soziale Schere weiter öffnet und sich immer mehr abgehängt oder ausgenommen fühlen und vermehrt irgendwelchen rechten (warum eigentlich nicht mal linken zur Abwechslung?) Rattenfängern hinterhertrumpeln.

Die Einstufung der großen Sechs durch den Political Compass (basierend auf Realpolitik) im vgl. zur Charakterisierung auf Wikipedia. Trumpelchens Wahlprogramm war nur noch einen Tick rechter als das der AfD. Clinton, die 3 Mio Stimmen mehr bekommen hat bei der Wahl, wäre in Deutschland voll auf CDU (Partei-, nicht Muttis) Linie.
Wie das funktioniert kann man gerade sehr gut in den USA beobachten wo Politiker, die nach europäischen Maßstäben nahe der perfekten Mitte stehen (Warren, Sanders), als linksextrem dargestellt werden (wegen ihren Steuerplänen). Und das nicht nur von Fox Fake News, dem rechten Propagandakanal mit Moderatoren neben denen selbst Höcke wie ein lascher Establishmenthansel daherkäme. Auch Barack Obama warnte jüngst seine Partei vor einem "Linksruck" (also hin zur absoluten Mitte).
Das demokratische Kandidatenfeld für 2020, Amerikas "Linksliberale". Positionen von Obama, Clinton und dem Trumpel als Vergleich. Quelle: Political Compass.

Auch dies eine Parellele mit Deutschland, auch bei uns werden CDU-, CSU-(v.a. Bundes-) und FDP-Politiker nicht müde vor "linken" (sprich mittigen) Ideen zu warnen.

Wer den Anfängen hätte wehren wollen, hätte spätestens 1990 bei der ersten gesamtdeutschen Wahl die Bimbes-, tschuldigung, Bundesbirne an der Wahlurne abstrafen müssen. Oder ihn durch einen Sozialdemokraten ersetzt, anstelle einem niedersächsischen Auto- und Industrielobbyisten (Wikipedia/Eigenseite).

Und wer was gegen die rechte Gefahr (den globalen Rechtsdrift) tun will, die Lösung ist simpel:  

Wählt nicht die selbsternannte Mitte, sondern links! 

Und schafft wieder andere Mehrheiten. Seid fast 30 Jahren sehe/ lese/ höre ich die Jugend wählt viel linker als die Alten, aber wenn dann Wahl ist, wählen 80% oder mehr Parteien, die mehr Wachstum versprechen, bessere Chancen für die Wirtschaft (wer von uns besitzt eigentlich eine Braunkohlenmine?) und weniger Steuern (sind wir nicht alle Erbmillionäre?) Und dazu gehört auch die nun an der sprichwörtlichen rechten Wand angekommene AfD (die NPD in Thüringen, bekannte Neonazipartei, klassisch "sozial-nationalistisch" im Gegensatz zur AfD, hat fast alle ihre Wähler abgegeben).

Nicht "Deutschland...", sondern "Wachstum über alles!" ist das Problem (und die Gefahr).

Man kann nur die Ursachen bekämpfen, nicht die Folgen. Die kann man nur therapieren.

3 comments:

  1. Check typo “brauen Welle” ?!

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    1. Done. Thanks. Also corrected the grammar (this is a regional problem, where I come from we have certain difficulties in distinguishing Genetiv and Akkusativ, not to mention proper use of Dativ).

      Könnte ein Freud'scher Vertipper gewesen sein, zusammenbrauen tut es sich ja schon.

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    2. Ja genau ;-) Ansonsten absolut super!

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